Monday 21. October 2019

Abtreibung: Debatte muss neu geführt werden

Florian Klenk, Chefredakteur des Falter, und Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben, analysierten am 5.November bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion des Katholischen Bildungswerkes, worunter die Abtreibungsdebatte leidet. Anlass war die aktuelle Bürgerinitiative der aktion leben „Fakten helfen!“

 

Abtreibungsdebatte als sozialpolitische Debatte

Die Abtreibungsdebatte sollte als sozialpolitische Debatte geführt werden, forderte Florian Klenk, Chefredakteur des Falter, bei der gestrigen Podiumsdiskussion. Klenk stieß die Diskussion über Abtreibung bereits 2013 im Falter-Artikel „Die Engelmacherin vom Spittelberg“ an. Darin schreibt er: „Ich bin überzeugt davon, dass die hohe Abtreibungsrate in Österreich kein Naturgesetz ist, sondern das Ergebnis schlechter Politik“.
Klenk vermisst eine Analyse gesellschaftlicher Zustände: Warum bzw. in welchen prekären Situationen treiben Frauen ab? Wer ist besonders betroffen?
 

Bürgerinitiative „Fakten helfen!“ fordert solides Wissen

Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben, betonte, dass genau dieses fehlende Wissen Anlass war, die Bürgerinitiative „Fakten helfen!“ zu initiieren. Darin fordert der unabhängige Verein eine anonyme Statistik über Abtreibungen sowie die Erforschung der Motive durch eine regelmäßig durchgeführte Motivenerhebung auf freiwilliger Basis. Es wäre gut für die Politik zu wissen, was los ist in Österreich. Zahlen, die kolportiert werden, legten eine sehr hohe Abtreibungsrate nahe. „Die Gründe von Abtreibungen zu erforschen, ist ein Auftrag der Frauen, die in unsere Schwangeren-Beratung kommen.“ Es gebe einen großen Handlungsbedarf. Hinzusehen bedeute auch, die Notlagen von Frauen ernst zu nehmen und etwas dagegen tun zu wollen.
 

Augenmerk auf Armuts- und Bildungsfrage

„Man sollte Frauen unter die Arme greifen, damit sie nicht abtreiben müssen“, meinte auch Klenk in der Podiumsdiskussion. Sei Abtreibung eine Armutsfrage, könne die Politik etwas dagegen tun. Länder, die gute elternpolitische Rahmenbedingungen schaffen, hätten eine höhere Geburtenrate. Ebenso wichtig sei es, den Bildungsauftrag wahrzunehmen. Beiden Diskutanten war es wichtig, dass mehr Augenmerk auf Sexualpädagogik und Aufklärung gelegt wird.
 

Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung

Einig waren sich die Diskutanten auch, dass die Zahl der Abtreibungen möglichst gering sein sollte. „Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung“, so Martina Kronthaler. Die aktion leben Generalsekretärin vermisst ein deutliches Bekenntnis der Politik, die Zahl der Abtreibungen senken zu wollen. Dass Abtreibung ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen, als Recht der Frau verankert und staatlich finanziert werden sollte, wie Klenk forderte, könne aktion leben hingegen nicht mittragen. „Dann hätten die ungeborenen Kinder gar kein Recht mehr. Es geht darum, dass die Gewissensfreiheit von Ärztinnen und Ärzten, die keine Abtreibung durchführen wollen, erhalten bleibt. Und es müssen Mindeststandards erhalten bleiben, wie das im ohnehin sehr liberalen österreichischen Abtreibungsrecht der Fall ist“, so Kronthaler.

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