Samstag 19. August 2017

Fragen und Antworten zu Statistik und Motivenerhebung

Ich möchte nicht, dass Frauen belästigt werden. Kann das garantiert werden?

Frauen werden sicher nicht belästigt. Es meldet die Ärztin oder der Arzt, was sie oder er im Rahmen des Anamnesegesprächs ohnehin erhebt, also z.B. das Alter der Frau, die Anzahl der geborenen Kinder, vorangegangene Abbrüche, Schwangerschaftsdauer etc. Diese Daten, die großteils vorliegen, müssten nur standardisiert und anonymisiert an das Statistische Zentralamt übermittelt werden, das dann regelmäßig einen Bericht veröffentlichen würde. So funktioniert das in anderen Ländern ohne Aufregung und Probleme. Die Mitwirkung an der Motivenerforschung wäre freiwillig, Frauen würden auch nicht unmittelbar nach dem Abbruch befragt, also auch nicht in dieser Situation belästigt.

 

aktion leben gibt es seit mittlerweile 60 Jahren. Müsste aktion leben nicht schon längst wissen, warum es zu Abbrüchen kommt und was dagegen unternommen werden kann?

Wir wissen aus vielen Tausend Beratungsgesprächen sehr viel. Wir sehen aber nur jene Frauen, die zu uns in die Beratung kommen. Das bedeutet, wir sehen nur einen Ausschnitt der Verhältnisse, der nicht zwingend das ganze Bild ergeben muss. In unsere Beratung kommen eher Frauen, die nach einem Weg mit dem Kind suchen beziehungsweise noch unentschlossen sind. Jene, die sich schon für einen Abbruch entschieden haben, kommen kaum zu uns.

 

Sollen Frauen zu der Erhebung verpflichtet werden? Wenn Nein, wie soll da jemals die Gesamtheit erfasst werden? Ein Ausschnitt kann Ergebnisse verzerren.
Zur Statistik: Frauen werden nicht verpflichtet. Es sollen vielmehr die Ärztinnen und Ärzte zur Meldung und zum Erfassen der Statistik verpflichtet werden. Wichtig ist zu vermitteln, dass die Datenerhebung anonym ist und statistischen Zwecken dient. Ärztinnen und Ärzte sowie Einrichtungen, die Abbrüche durchführen, erheben zudem im Rahmen der Anamnese ohnehin Daten, die aber bislang nicht weitergegeben werden. Zur Motivenerforschung: Die Auswahl der Frauen erfolgt repräsentativ, das Mitwirken ist aber natürlich freiwillig.

 

Sollten Frauen nicht einfach in Ruhe gelassen werden?

Keine Frau wird gezwungen, an einer Motivenerforschung teilzunehmen. Die Teilnahme an der Motivenerforschung ist freiwillig. Wie Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, gibt es genügend Frauen, die an einer Studie teilnehmen und repräsentative Erkenntnisse erlauben.

 

Wie sieht aktion leben die Chancen für die Einführung einer Statistik bzw. Motivenerhebung zum Schwangerschaftsabbruch?
Wir sind von der Notwendigkeit einer Statistik und Motivenerforschung überzeugt und werden alles dafür tun, dass beides endlich kommt. Wir führen in unserem Land tausende Statistiken und Motivenerhebungen zu allen möglichen Zwecken, warum also nicht zu einer so tiefgreifenden, ernsten Problematik, die so viele Menschen betrifft? Wenn man die Äußerungen der politischen Parteien hernimmt, dann ist eine Mehrheit für die Einführung einer Statistik und Motivenerforschung.  

 

Eine Statistik ist doch nur machbar, wenn die Kosten für einen Abbruch übernommen werden, sonst haben ÄrztInnen in Praxen keinen Anreiz zu melden - oder?

Für statistische Angaben gibt es in der Regel auch in anderen Ländern und anderen Gebieten keine Abgeltung. Die Mitwirkung ist gesetzlich vorgeschrieben, weil damit ein Nutzen für das Gemeinwohl erbracht wird und sie notwendig ist. Die Kostenübernahme von Abtreibungen ist keine zwingende Voraussetzung. In Deutschland, einem Land mit Abbruch-Statistik, werden zum Beispiel Abtreibungen nur in sozialen Notfällen von der Krankenkasse bezahlt.

 

Wozu also brauchen wir Zahlen und Fakten über Abtreibungen?

Die Statistik liefert die Grundlage für bedarfsgerechte und zielgruppenspezifische Maßnahmen. Deshalb ist sie wichtig. Eine Statistik, aus der keine Maßnahmen abgeleitet werden, wäre sinnlos. Statistiken sind darüber hinaus in den meisten Lebensbereichen selbstverständlich: Arbeitslosenrate, Krankheitszahlen, Geburtenstatistiken und viele andere mehr: das alles ist Statistik, die niemand infrage stellt und die für politische Entscheidungen wichtig ist.

 

Sind Motive überhaupt erfassbar? Geben Frauen, die nach einem Abbruch in einer Ausnahmesituation sind, die wahren Gründe an?

Ein sorgsames Studiendesign ist wichtig, dafür gibt es auch Beispiele, zum Beispiel aus Deutschland. Wir vertrauen auf Seriosität und Wissenschaftlichkeit. Nicht nur Frauen mit Abbruchserfahrung sollen befragt werden, sondern repräsentativ Frauen, die schwanger waren. Dann können wir erkennen, unter welchen Umständen Frauen sich für oder gegen das Kind entscheiden. Wird die Anonymität gewahrt, werden auch die wahren Gründe genannt.

 

Haben Länder mit einer statistischen Erfassung nicht auch hohe Abbruch-Zahlen?

Ob es wenig Abtreibungen gibt, hat weniger mit der Statistik zu tun als damit, welche Konsequenzen die Politik aus den Erkenntnissen der Statistik zieht. Die Schweiz hat zum Beispiel eine Statistik und die niedrigste Abbruchsrate europaweit. Andere Länder haben eine Statistik und eine hohe Abbruchsrate. Entscheidend ist, welche Schlüsse daraus gezogen und welche Maßnahmen gesetzt werden.

 

Einführung einer Statistik ist ein Angriff auf die Fristenregelung

Die Fristenregelung steht nicht zur Debatte. Wer dies sagt, verwendet Argumente von gestern, die für die Lebenssituation der Frauen von heute nicht mehr passen. Noch einmal: Es geht um besseres Verstehen auf der Basis von mehr Wissen. Nur so kann die Politik das Ausmaß erfassen und konkrete Maßnahmen ableiten, die nicht im Strafrecht liegen können, sondern vielmehr sozialrechtlicher Natur sind.

 

Man muss nur einfach einen leichten Zugang zu Verhütung schaffen, dann ist das Problem gelöst. Wozu also eine Motivenerhebung?

Verhütung ist wichtig, aber nicht die einzige Form der Prävention. Dazu gehört umfassende Sexualpädagogik, Information über Fruchtbarkeit, Wissen um den weiblichen Zyklus und die Wirkungsweise von Verhütungsmitteln. Verhütung kann außerdem immer versagen, deshalb wird es auch immer ungeplante und ungewollte Schwangerschaften geben. Außerdem werden auch gewollte Schwangerschaften abgebrochen und ungewollte ausgetragen. Es steckt also oft noch mehr dahinter als Verhütungsversagen.

 

Wie kann garantiert werden, dass die Ärztinnen und Ärzte wirklich mitmachen?

Es braucht wie in anderen Ländern ein Gesetz, das regelt, in welcher Weise Ärztinnen und Ärzte auskunfts- bzw. meldepflichtig sind. Es muss aber auch eine Datenkontrolle geben.

 

Wie ist die Position der aktion leben zur Abtreibung?

Ziel von aktion leben ist es beizutragen, dass es zu möglichst wenigen  Schwangerschaftsabbrüchen kommt und dass Frauen und Paare sich auch in schwierigen Lebenssituationen über ihre Kinder freuen und gut mit ihnen Leben können.

Wir sehen Schwangerschaftsabbrüche als Notwehrmaßnahme von Frauen, die aus äußerer oder innerer Not kein (weiteres) Kind bekommen können. Maßnahmen zur Senkung von Schwangerschaftsabbrüchen müssen deshalb einerseits präventiv sein. Anderseits geht es darum, Frauen zu stärken und die Rahmenbedingungen für ein Leben mit Kindern zu verbessern.

 

Die Schwangerenberatung von aktion leben

aktion leben berät in ihren Schwangeren-Beratungsstellen kostenlos und non-direktiv. Das Angebot umfasst Beratung im Schwangerschaftskonflikt, sozialrechtliche Information und Klärung, psychologische Begleitung, Beratung nach Abbrüchen bis zu praktischer Hilfe. Dazu zählen regelmäßige finanzielle Zuwendungen in Form von Patenschaften für Mutter und Kind oder Überbrückungshilfen. Die Unterstützung für schwangere Frauen in Notsituationen wird ausschließlich von unseren Spenderinnen und Spendern aufgebracht.

Ebenso setzt aktion leben auf Prävention durch Sexualpädagogik, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, bei der wir unter anderem für eine kinder- und elternfreundliche Gesellschaft eintreten.

 

aktion leben und das Strafrecht

Die Problematik mit Hilfe des Strafrechts zu lösen, wofür es eine kleine Zahl von Proponenten gibt, hält aktion leben für nicht zielführend. Im Gegenteil: Das würde erneut den Blick auf die Tatsachen verstellen.

Mehr zu aktion leben finden Sie unter www.aktionleben.at

 

 

 

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