Saturday 20. July 2019

Vogel-Strauß-Politik in Österreich zu Schwangerschaftsabbrüchen

aktion leben appelliert an Vernunft der Politikerinnen und Politiker: Zahlen zu Schwangerschaftsabbrüchen sind auch in Österreich möglich und sinnvoll.

 

Österreich ist neben Luxemburg das einzige Land in Europa, in dem es keine Zahlen zu Schwangerschaftsabbrüchen gibt. aktion leben initiierte deshalb die Bürgerinitiative „Fakten helfen!“, mit der die Einführung einer Abbruch-Statistik sowie – davon unabhängig – die regelmäßige Erforschung der Motive für Schwangerschaftsabbrüche verlangt werden.

 

Diese Bürgerinitiative wurde bislang von mehr als 53.000 Menschen unterstützt und ist somit die erfolgreichste seit Jahren. Sie kann über www.fakten-helfen.at auf der Parlamentsseite online noch immer unterzeichnet werden. Am 30. Juni 2016 wird „Fakten helfen!“ im Parlament in einem Hearing beraten.

 

aktion leben-Generalsekretärin Mag. Martina Kronthaler appelliert an die Politikerinnen und Politiker, die Vorzüge einer Statistik als Basis für Prävention und Hilfe zu sehen.

 

aktion leben betont einmal mehr, dass gängige Vorbehalte auf fehlendes Wissen zurückzuführen sind.

 

Fünf häufig genannte Vorbehalte, die unbegründet bzw. falsch sind

Vorbehalt 1: "Zahlen gibt es nur dort, wo es Abtreibung auf Krankenschein gibt."

Die Fakten: Das ist faktisch falsch. In Deutschland gibt es eine gut funktionierende Abbruch-Statistik. Abbrüche werden aber nur in sozialen Notfällen von der Krankenkasse bezahlt. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, Abbrüche zu melden – ob sie von der Krankenkasse bezahlt werden oder nicht. Das ist übrigens in Österreich auch in anderen Bereichen der Medizin so, z. B. bei Schönheitsoperationen.

 

Vorbehalt 2: "Eine Abbruch-Statistik greift die Fristenregelung an."

Die Fakten: Rechtlich kann die Statistik völlig unabhängig vom Strafrecht fixiert werden. aktion leben strebt eine Lösung außerhalb des Strafrechts an. In vielen Ländern mit sehr liberalen Abbruchgesetzen gibt es eine Statistik. Sie ist selbstverständlich und hängt nicht davon ab, ob Abbrüche liberal oder weniger liberal geregelt sind.

 

Vorbehalt 3: "Frauen könnten belästigt werden."

Die Fakten: Diese Sorge ist völlig unbegründet. Die Ärztin/der Arzt führen schon jetzt ein Anamnesegespräch und sie erheben dadurch Daten. Diese müssten nur standardisiert weitergegeben werden, selbstverständlich anonymisiert. Statistik Austria, die vielerlei sensible Daten erhebt und auswertet, wäre für die Sammlung und Auswertung auch dieser Daten verantwortlich.

 

Vorbehalt 4: "Zahlen könnten missbraucht werden."

Die Fakten: Das ist ein reines Angst-Argument. Zahlen können immer unterschiedlich interpretiert werden. Transparenz und Gespräche auf der Basis von Zahlen sind aber allemal besser als Fischen im Trüben und Schätzungen auf wackeligen Beinen, wie das in Österreich derzeit der Fall ist. Die Ärztekammer spricht sich deshalb klar für eine Statistik aus, weil sie im Interesse einer evidenzbasierten Medizin zeitgemäß ist.

 

Vorbehalt 5: "Gratis Verhütungsmittel lösen das Problem."

Die Fakten: Verhütung ist wichtig und in Österreich gut verfügbar. Selten scheitert Verhütung aber an den Kosten. Das Salzburger Frauengesundheitszentrum ISIS hat dies 2014 umfassend erhoben. Ein Problem unter mehreren sind Ambivalenzen gegenüber dem Kinderwunsch. D.h. Frauen verhüten unter anderem dann nicht zuverlässig, wenn sie eine Schwangerschaft nicht ganz ausschließen wollen. Es wird deshalb aus diesem und anderen Gründen immer ungeplante Schwangerschaften geben.

 

Warum Österreich eine Statistik braucht

Alle Zahlen, die wir in Österreich zu Schwangerschaftsabbrüchen haben, sind Schätzungen und nicht-repräsentative Veröffentlichungen einzelner Kliniken. Besser wären verlässlich erhobene Daten, die von einer unabhängigen Stelle wie Statistik Austria ausgewertet werden. Auf der Basis dieser Daten kann sachlich über nötige sozialpolitische und präventive Maßnahmen gesprochen werden. Zahlen sind vor allem deshalb notwendig, um Entwicklungen erkennen und gesetzte Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen zu können.

 

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